Eine kleine Gruppe von Wartenden hat sich vor der Tür des Speisesaals im Klinikgebäude gebildet. Einige unterhalten sich - ich höre zu. Ging es vor der letzten Mahlzeit um E-Mobilität und bei der vorletzten um politische Fragen, ist jetzt das Thema Kirche an der Reihe. Alle sind sich einig, dass Glaube auch ohne aktive Zugehörigkeit zu einer christlichen Gemeinde funktioniert. Kurz: Gott ja. Kirche nein. Es hört sich an, als sei eine christliche Gemeinde eher hinderlich für den eigenen Glauben. Wie spannend! Soll ich mich als Pastor outen und meine Meinung dazu sagen? Ich höre weiter zu.
Das Gespräch geht mir noch nach. Was macht Kirche falsch, wenn sich Menschen, die sich selbst als gläubig bezeichnen, bewusst fernhalten? Gut, wenn sich christliche Gemeinden, egal welcher Couleur, diese Frage stellen. Umgekehrt darf auch gefragt werden: Glaube im stillen Kämmerlein praktizieren, das mag eine Zeit lang möglich sein – aber auf Dauer? Allein gehst du ein.
Dabei ist nicht relevant, was ich als Pastor denke oder für gut halte, sondern Gottes Sicht entscheidet. Christliche Gemeinde ist der sichtbare Leib Christi in dieser Welt. Diese Auffassung zieht sich als roter Faden durch das Neue Testament. In Babenhausen gibt es sehr verschiedene Arten von christlichen Gemeinden und damit eine Vielfalt an unterschiedlicher Prägung und Gestaltung. Dafür bin ich sehr dankbar, denn da ist für jeden was dabei.
Christsein ohne Gemeinde – geht das? Nehme ich von meinem Dreibeingrill eine glühende Kohle und lege sie zur Seite, ist sie isoliert und kühlt schneller aus und erlischt. Bleibt sie im Feuer, bzw. in der Glut, dann brennt sie deutlich länger.
Das gilt oft auch für Christsein ohne Gemeinde.
Am Anfang wird vielleicht zuhause in der Bibel gelesen und gebetet – irgendwann werden die Hände nur noch gefaltet, wenn es brennt
.
Korrektur, geistliches Wachstum und Ermutigung fehlen.
Als Christen brauchen wir einander.
Egal, zu welcher Konfession jemand gehört.
Dietrich Bonhoeffer formuliert in seinem Buch Gemeinsames Leben
:
Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders; jener ist ungewiss, dieser ist gewiss.
Was Bonhoeffer damit ausdrücken will, ist: Christsein ohne Gemeinde geht nicht.
Eigener Glaube mag stark und fest sein – und doch wird es Momente geben, in denen der Zuspruch anderer wichtig ist.
Bonhoeffer ist sich sicher: Christsein kann man nicht für sich allein machen
.
Gerhard Schnitter textet im Lied Gott baut sein Haus
:
Die anderen drücken und engen ein,
doch tragen sie auch und sind Halt.
Wer lieber allein bleibt, der liegt wie ein Stein
am Boden, nutzlos und kalt.
Hoffentlich nicht.
Bleiben Sie gesund und behütet.
Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde