Der morgige Feiertag Christi Himmelfahrt
hat zunächst nichts mit Bollerwagen und Bier zu tun, sondern erinnert an den Abschied Jesu von seinen Jüngern.
Die Follower von Jesus wissen nicht so recht, wie es nun weitergehen soll, denn der, der vorausging und wusste, wo es langging, ist nicht mehr da.
Adieu
mussten die Jünger Jesu sagen, was ihnen sichtlich schwerfiel.
Adieu ist ein französischer Abschiedsgruß, der wörtlich à Dieu
(zu Gott) bedeutet.
Doch Himmelfahrt ist nicht das Ende der Gegenwart Jesu, sondern nur eine Veränderung seiner Nähe.
Jesus sagte nicht einfach und tschüss
, er entzieht sich nicht, um final abwesend, sondern um auf neue Weise gegenwärtig zu sein.
Nicht mehr nur an einem Ort anwesend, für wenige sichtbar – sondern mitten im Alltag, mitten im Zweifel, mitten im Leben für jede und jeden ansprechbar.
Noch stehen die Follower Jesu etwas hilf- und ratlos da.
Zwei Personen, die das Geschehen beobachten, kommentieren sinngemäß:
Warum steht ihr da und schaut nach oben?
(Apg.1,9ff)
Mit anderen Worten: Schaut nicht weg von der Erde, sondern entdeckt Gott und euren Auftrag im Alltag.
Ein Glaube, nur für den Sonntag, verliert die Kraft für den Montag.
Wer nur nach oben schaut, gleicht Hans-Guck-in-die Luft, aber sieht nicht die Aufgaben, die Gott vor die Füße legt:
Worte, die heilen. Hände, die helfen. Mut, der aufrichtet.
Christen glauben und sprechen im Glaubensbekenntnis, dass Jesus mit seiner Himmelfahrt, quasi als Vizekönig, diese Welt regiert.
Sichtbar ist: Unsere Welt leidet zutiefst daran, dass die Mächtigen zu lieblos und die Liebenden zu machtlos sind.
Zu wenig sichtbar ist, dass Jesus regiert.
Und dass sein Regieren auch zum Ziel führen wird.
Mag sein, dass unsere Erwartungen mit seinen nicht synchron laufen.
Trotzdem gilt, was der Schweizer Theologe Karl Barth (1886-1968) sagte: Es wird regiert!
Und zwar von ganz oben.
Himmelfahrt will keine Vertröstung sein, auf bessere Zeiten, sondern als Auftrag verstanden werden: die Erde zu einem Stück Himmel zu machen.
Das Ziel der Gläubigen sollte nicht (nur) sein, dass sie irgendwann in den Himmel
kommen, sondern dass der Himmel durch sie auf die Erde kommt.
Jesus macht Platz, damit wir aktiv werden können.
Er verschwindet nicht auf Nimmerwiedersehen, sondern regiert und wendet sich dieser Welt mit seinen Menschen auf andere Weise zu. Das ist nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang. Mir macht das Hoffnung.
Bleiben Sie gesund und behütet.
Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde