Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

01.10.2026

Unverdient

In einem Teil meines Nutzgartens hatte ich im Frühjahr Bohnen gelegt und Möhren gesät. Anstelle dessen waren Kartoffeln gewachsen. Und drei Möhren. Die Saat war nicht aufgegangen, dafür keimten die im Boden verbliebenen Kartoffeln vom letzten Jahr. Obwohl ich im Herbst intensiv aus- und umgegraben hatte.

Was nun? Ich könnte mich über die ausgebliebene Bohnen- und Möhrenernte ärgern. Aber ich habe mich dafür entschieden, mich über die unverhofften Kartoffeln zu freuen. Zudem sind die unvermuteten Kartoffeln deutlich größer als die Tochterknollen der Kartoffeln, die ich dieses Jahr gesetzt hatte. Unverdiente Kartoffelernte.

unverhoffte Kartoffelernte

Zwei Tage zuvor fand ich einen 50 € Schein. Einfach so. Auch mal schön. Unverdient. Vermutlich vom starken Wind in die geschützte Ecke geweht, wo mein Fahrrad steht. Verloren hatte ich ihn nicht, denn der Fuffi war gefaltet, wie ich Scheine definitiv nicht falte.

Mir drängt sich der Gedanke auf, dass ich vieles in meinem Leben einfach unverdient ernte oder vorfinde. Genau genommen alles. Ich richte meinen Blick dankbar zum Himmel und will künftig zufriedener unterwegs sein.

Vielerorts ist der Ertrag im Garten in diesem Jahr aufgrund der extremen Hitze spärlich geblieben. Ein mageres Jahr. Vielleicht ist es auch im beruflichen, familiären oder gesundheitlichen Kontext ein spärliches Jahr geblieben. Ob es gelingt, den Blick nicht auf den scheinbaren Mangel zu richten, sondern auf den Reichtum, der im Leben unverdient vorhanden ist?

Auch der Feiertag am 3. Oktober lädt ein, dankbar zu sein. Natürlich können Berufstätige jammern, dass er auf einen Samstag fällt und auch hier den Blick auf Defizite richten. Oder sich darüber freuen, dass man seit Jahrzehnten unbeschwert in der Uckermark, dem Thüringer Wald oder auf der Insel Usedom Urlaub machen kann.

Am Sonntag wird in manchen Kirchengemeinden Erntedankfest gefeiert. Was haben Sie unverdient erhalten? Wofür sind Sie dankbar?

Bleiben Sie gesund und behütet.

Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

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