Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

15.10.2026

Zugelaufen

Da steht sie plötzlich auf meinem Hof: eine riesige Mülltonne, strahlend gelb, Platz für 240 Liter Abfall. Niemand hat sie bestellt, niemand benötigt sie, in der Nachbarschaft wird sie nicht vermisst. Sie wirkt deplatziert, nimmt Platz weg und erinnert unwillkürlich an all den Unrat, den man im eigenen Leben lieber ausblenden möchte. Sie ist wie ein ungebetener Gast, einfach so zugelaufen – ein Begriff, der sonst eher für ein herrenloses Tier benutzt wird, das plötzlich auftaucht und Zuflucht sucht...

Diese irritierende Tonne auf dem Hof schlägt für mich eine Brücke zu einer der berührendsten Geschichten der Bibel: dem Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk.15,11ff). Er hatte den Vater für tot erklärt, war weggelaufen, hatte sein Leben und sein Erbe verschwendet. Am Tiefpunkt angekommen, landet er buchstäblich beim Abfall der Gesellschaft – an den Futtertrögen der Schweine. Als er sich schließlich auf den Weg zurück ins Vaterhaus macht, bringt er im übertragenen Sinne genau das mit: eine randvolle unbestellte Tonne voller Altlasten, Scham und verfehlter Entscheidungen. So hatte er sich sein Leben nicht vorgestellt. Er hatte es versaut.

Nach gesellschaftlichen Maßstäben ist so ein gescheiterter Rückkehrer, genauso wenig willkommen, wie die Mülltonne auf dem Hof: Man hat ihn nicht bestellt und man braucht den Ärger nicht, den er mitbringt. Der Sohn rechnet selbst damit, abgewiesen zu werden, und will sich daher nur noch als Hilfsarbeiter anbieten.

Doch die Reaktion des Vaters verändert alles: Er wartet nicht drinnen, bis der Sohn anklopft und sich erklärt. Der Vater hält schon Ausschau. Als er die Silhouette seines Kindes in der Ferne erkennt, läuft er ihm entgegen. Er wartet nicht, bis der Sohn seinen Lebensmüll sortiert oder sich gewaschen hat.

Die Reaktion des Vaters stellt jede menschliche Logik auf den Kopf: Er riecht nicht den Dreck der Vergangenheit, rechnet nicht das verprasste Erbe vor und sieht nicht die Last der Vergangenheit. Er sieht nur sein Kind, das wieder nach Hause gefunden hat. Das Vaterhaus Gottes ist der Ort, an dem ich mit all meinem hausgemachten oder unbestellten Lebensmüll, mit allen Fehlern und Enttäuschungen, bedingungslos willkommen und angenommen bin.

Das ist die radikale Liebe des himmlischen Vaters: Seine Gnade ist unendlich viel größer als mein größter Müll. Ich bin einer, der Gott zugelaufen ist und Geborgenheit sucht, wie der streunende Kater, der endlich ein neues Zuhause findet.

In der biblischen Geschichte wird ein Fest gefeiert, aus zugelaufen wird Zuhause. Der Heimkehrer bekommt ein festliches Gewand, Schuhe und den Siegelring am Finger. Vergessen ist, was war. Wie Gottes Wesen ist, wird hier erzählt.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

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